Ein Traum

Ein Traum
Von Daniel Sträuli

In einem anderen Beitrag befassten wir uns mit der Schlaf- und Traumforschung. Eine daraus resultierende Schlüsselerkenntnis zeigt, dass der Mensch in einer bestimmten Schlafphase, dem sogenannten REM-Schlaf, vorwiegend eine »Tagesresteverarbeitung« erfährt. Offenbar befasst sich der Mensch in dieser Zeit mit Ausschnitten aus dem Tagesgeschehen. Und dies kann in bestimmten Lebensabschnitten einem ständigen Auf und Ab gleichkommen. Es können zudem betrübliche Erlebnisse sein, die einen in seelische Bedrängnis bringen. Manchmal sind es sogar die eigenen Schwächen und Probleme, welche in dieser Schlafphase wie überzeichnet dastehen. So kann man sich während des Schlafes dieser Tagesresteverarbeitung nicht entziehen, denn dieser Ablauf ist offensichtlich so eingerichtet, dass man sich mit Ausschnitten des Alltags befassen muss: Triviales, Unwichtiges, Hektisches, Verwirrendes – gepaart mit Wünschen, Ideen und Gefühlen – laufen wie ein Film vor dem inneren Auge ab. Dieses ganze Auf und Ab widerspiegelt sich sehr eindrücklich in den in Traumdatenbanken der Schlafforschung aufgezeichneten Träumen. Dabei stellt sich einem die Frage: Sind nun die REM-Träume wirr, oberflächlich und banal, oder war es nicht vielmehr das vorangegangene Denken und Handeln im Alltag, welches mittels der Tagesresteverarbeitung erneut durchlebt wird? Eine weitere wichtige Erkenntnis der modernen Schlafforschung weist darauf hin, dass nicht nur im REM-Schlaf geträumt wird, sondern auch in den anderen Schlafphasen, wie denjenigen des Tiefschlafs (Schlafstadien 3 und 4). Diese Traumerlebnisse dringen jedoch nur selten ins Bewusstsein, und genau gleich verhält es sich offenbar mit den tiefsinnigen Träumen. Diese Art Träume – wie auch traumartige Erlebnisse in aussergewöhnlichen Lebensumständen – sind selten, dafür ist ihnen eine ganz bedeutende Aussagekraft eigen. Mit Hilfe von ausgewählten Traumschilderungen soll dies im Folgenden dargelegt werden. Interessanterweise sind bestimmte wichtige Träume wenig symbolbehaftet; vielmehr ist ihre Grundaussage so klar und deutlich, dass es keiner heiklen Traumdeutung bedarf – die Inhalte sprechen für sich.

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